Abfahrt Schneeberghaus

Update Transalp – Unterwegs mit der AV Akademie

Abenteuer Transalp – unser alpinstes Update im Mountainbike Bereich: In vier Tagen bewältigen Sie im Rahmen einer Rundtour anspruchsvolle klassische Alpenübergänge. Auf der Transalptour erlernen Sie, akribisch zu planen, den Wetterverlauf zu beobachten und sich einwandfrei im Gelände zu orientieren. Neben Entscheidungsfindung und Gruppendynamik deckt die Weiterbildung auch Fahrtechnik und Sicherheitsaspekte auf alpinen Trails ab. Auf den vier Etappen muss sämtliches Material selbst mitgetragen werden. Ziel des Kurses ist es, sowohl eine umfangreiche Planung zu erlangen, als auch Bikegruppen über mehrere Tage sicher durch alpines Gelände zu führen. Hier der Link zum Update: Alpenverein Akademie

Ein Erfahrungsbericht von Benjamin Köglberger

Transalp-Touren in den Alpen sind das Highlight einer Mountainbikesaison. Lange Anstiege, alpine Trails und urige Hütten sind die Zutaten, die eine Transalp zu etwas Besonderem machen. Um auch in Sektionen solche Angebote möglich zu machen, hat die AV Akademie den Kurs Transalp Update ins Leben gerufen. Im Juni brachen wir, vier Teilnehmer und ein Instruktor, zu einer viertägigen Runde in den Stubaier und Ötztaler Alpen auf, um unsere Kenntnisse im Hinblick auf das Planen und Durchführen von Mehrtagestouren zu vertiefen.

Wir sitzen noch gar nicht auf unseren Rädern, sondern im Auto und drehen die dritte Runde im Kreisverkehr. Wo war der Parkplatz nochmal? Die Parkplatzsuche ist die erste Hürde unserer Transalp. Letztendlich sind die Autos geparkt und nach einem Bikecheck legt der Guide des Tages los – kurze Erklärung: wir Teilnehmer führen die Gruppe abwechselnd an jeweils einem Tag der Tour. Wir starten hinein ins Ridnauntal in Richtung Schneebergscharte. Der Anstieg verläuft zu Beginn auf einer gut fahrbaren Schotterstraße. Bevor die erste Tragepassage ansteht, füllen wir unsere Speicher noch in der gemütlichen Moarerbergalm. Dann wird es anstrengend: Wir schultern die Bikes und stapfen 500 Höhenmeter hinauf zur Scharte. Hier entdecken wir immer wieder Relikte des Bergbaus in der Region. Dieser wurde mit einem ziemlichen Aufwand betrieben und das erstaunlich lange. Die letzten Knappe verließen erst in den 1980er Jahren die Stollen. Auf der Scharte können wir uns kurz mal orientieren und das gewaltige Panorama genießen. Die Blicke reichen bis zu den gletscherbedeckten Gipfeln der Ötztaler Alpen. Wir sehen auch schon das Schneeberghaus, das Ziel der heutigen Etappe. Ein Trail trennt uns noch von der Hütte. Im S2- Bereich geht’s bei toller Stimmung hinab zur altehrwürdigen Schutzhütte, die früher als Herrenhaus der Bergbaugesellschaft diente. Für eine Führung durch die Stollen fehlt uns nach dem Tag etwas die Motivation, stattdessen diskutieren wir am Abend, was dieses Haus nicht alles erlebt haben muss.

Ein langer Tag im Ötztal 

Der zweite Tag startet dank der Hüttenübernachtung gleich mit einer Abfahrt. Und das bei Sonnenschein und angenehmen Temperaturen. Gottfried, unser Guide für heute, hat das Kartenstudium gewissenhaft erledigt und lotst uns sicher hinab zur Timmelsjochstraße. Der Trail ist perfekt zum Aufwärmen. Den folgenden Anstieg aufs Timmelsjoch bringen wir angesichts der traumhaften Bergwelt ringsum mit einem Lächeln im Gesicht hinter uns. Oben genießen wir das tolle Panorama aber nur kurz, denn ein eisiger Wind treibt uns zur Eile. Diese Eile führt dann fast dazu, dass wir den falschen Weg nehmen. Der technische Beginn des richtigen Wegs schärft dann aber schnell wieder unsere Sinne und wärmt die klammen Finger. Mal flowig, mal technisch und mit toller Aussicht geht es hinunter Richtung Sölden. Mit den vielen entgegenkommenden E5- Wanderern werden High-fives und freundliche Worte ausgetauscht, die gegenseitige Rücksichtnahme funktioniert hier bestens. In Sölden steppt dann wenig überraschend der Bär. Den kleinen Kulturschock verdauen wir mit Pizza. Ich muss meine Bremse servicieren lassen und lerne kurz darauf, dass die Bremskraft einer frisch servicierten Bremse noch etwas zu wünschen übrig lässt – somit ist das Thema Asphaltausschlag auch abgehakt. Zum Glück alles halb so wild. In Vent genießen wir erneut ein richtiges Festmahl und lassen den Tag Revue passieren. Verbesserungen in der Tagesplanung werden angeregt und „lack of leadership“-Momente aufgezeigt.

Eine Minestrone ist nicht genug 

Tag drei beginnt mit dem Anstieg zur Martin-Busch-Hütte, einem der wohl schönsten Anstiege in Österreich. Wir fahren durch das hochalpine Tal mit seinen immer noch beeindruckenden Gletschern. Bei der Martin-Busch-Hütte beginnt der Trail zur Similaunhütte. Uphill-Flow gibt es auch für uns stromlosen Biker – es ist einfach lässig sich auf dem verblockten, aber doch fahrbaren Gelände voranzukämpfen. Wir kommen an der Stelle vorbei, an der Österreichs berühmteste Mumie entdeckt wurde, die eigentlich Italiener ist – was wohl früher egal war. Gegend Ende des Anstiegs gibt es s noch ein Altschneefeld zu queren und dann erreichen wir die Similaunhütte, wo wir uns eine Suppe genehmigen. Es folgt der wohl schwierigste Downhill unserer Runde. Für uns Fahrtechnik-Normalos ist an fahren eher nicht zu denken. Coach Markus zeigt, was möglich ist. Nach einer kurzen Wanderung wird der Trail dann auch für den Rest der Gruppe fahrbar. Es folgen 900 Tiefenmeter Konzentration, Linie wählen, Schwerpunkt verlagern – ein fordernder Trail, der uns euphorisiert, aber auch müde beim Vernagt-Stausee ausspuckt. Bei einer kurzen Einkehr feiern wir bereits den Tag und den Trail, der mahnende Einwurf vom Coach, dass wir noch nicht am Ziel sind, geht irgendwie unter. Beim Anstieg hinein ins Pfossental rächt sich das fehlende richtige Mittagessen. Jeder hat angesichts des deutlich negativen Energiehaushalts zu kämpfen. Auf der Sonnenterrasse vom Eishof sind die leidvollen Höhenmeter aber schnell wieder vergessen. Die Szenerie im hinteren Pfossental trägt dazu bei, denn die ist einfach gewaltig. Das Hochtal wird von spektakulären Bergen wie Hohe Weiße und Hintere Schwärze eingerahmt und ist sicher eines der landschaftlichen Highlights der Tour. Bei einem feinen, vegetarischen Abendmenü lassen wir den Tag noch einmal kritisch Revue passieren und kommen zu folgendem Schluss: Eine Minestrone ist kein vollwertiges Essen für eine Transalp-Etappe und mehrere kleine Pausen ersetzen keine ordentliche Einkehr.

Zurück nach Sterzing – A long day out 

Nach einem wunderbaren Frühstück, die Verköstigung im Eishof besticht durch regionale Produkte, kurbeln und schieben wir hinauf zum Eisjöchl, einem legendären Transalp-Übergang. Wir erreichen die modern neu aufgebaute Stettiner Hütter, wo der Trail hinunter ins Pflerschtal seinen Anfang nimmt. Der abwechslungsreiche Trail begeistert und ist durchgehend fahrbar. In Platt genehmigen wir uns eine ordentliche Portion Hirtenmakkaroni – wir haben aus dem letzten Tag gelernt. Über lässige Trails geht es weiter hinab nach St. Leonhard, wo die Frage aufkommt, wer denn letztendlich entschieden hat, kein Shuttle für den Jaufenpass zu organisieren. Als Guide des Tages muss ich das auf meine Kappe nehmen. Ein letzter Uphill also. Oben angekommen, ordnen wir den Jaufen in die Kategorie „nächstes Mal mit Shuttle“ ein. Dafür schmeckt der XXL-Kuchen in der Edelweißhütte umso besser und die Stimmung ist trotz unserer Müdigkeit gelöst, denn als Finale steht uns noch ein langer Trail nach Sterzing bevor, dessen Linie auf der Karte Gutes verhoffen lässt. Unsere Hoffnungen erfüllen sich. Der Trail ist spitze und im Gegensatz zu jenen der vergangenen Tage nicht mehr hochalpin und technisch, sondern schnell und flowig. Wir genießen die letzte Abfahrt des Trips in vollen Zügen und erreichen zufrieden wieder die Autos in Sterzing. Bei Cola und Radler stoßen wir auf den gelungenen Kurs an und diskutieren noch einmal über die Herausforderungen beim Führen einer Gruppe. Dann geht es wieder heimwärts, mit neuem Wissen, ein paar Kratzern und vielen guten Erinnerungen im Gepäck.