Welches LVS Gerät soll ich mir kaufen?

Egal ob Erstkauf oder Update eines älteren Gerätes, hier findest du ein paar Tipps.

Wenn ihr in den Scheesport abseits der gesicherten Pisten eintreten wollt, dann braucht ihr neben Sonde und Schaufel natürlich auch ein Lawinenverschütteten-Suchgerät (kurz LVS). Während es bei Schaufel und Sonde recht klare Kriterien gibt nach denen man ein brauchbares Produkt auswählt, ist es bei den LVS Geräten etwas komplexer. Eine sehr gute Hilfe ist hier der LVS Geräte Test das DAV Sicherheitsforschung. Auf Basis dessen kann man sich schon mal ein gutes Bild machen. Wir ergänzen nun noch ein paar Punkte, welche wir regelmäßig in unseren Szenarien auf den Kursen beobachtet haben.

Unsere Beobachtungen:

  • Üben in der Praxis ist das Um und Auf. Auch das beste Gerät hilft wenig wenn man damit nicht richtig umgehen kann. Und man kann quasi in jedem Abschnitt der Suche einen Fehler machen. Es empfiehlt sich auf alle Fälle nicht nur die Funktionen am Fußballplatz zu testen, sondern das Gerät wirklich im Schnee zu probieren. Inklusive Signalsuche, Mehrfachverschüttung, Tiefenverschüttung und einer Portion Stress.

  • Die Reichweite ist relevanter als man denkt. Während man Bedienung und versteckte Tücken der Geräte mit Training perfektionieren bzw. Fehler ausmerzen kann, wird auch die Reichweite beim hundertsten Szenarion nicht besser. Von daher ist die bessere Reichweite ein klares Kaufargument. Im Ernstfall ohne Signal dazustehen, ist eine echt ungute Situation. Je früher man ein Signal erhält desto besser kommt man in einen geregelten Ablauf und desto schneller ist die Suche.

  • Die Geräte entwickeln sich weiter. Kauft keine alten Geräte nur um Geld zu sparen. Das LVS Gerät kann entscheidend sein ob euer Kamerad überlebt oder nicht. Ein 10 Jahre altes Gerät gehört unserer Meinung nach einfach ausgetauscht. Den Grund dafür kann man nicht auf einen einzelnen Punkt festlegen, aber die Flaws der neuen Geräte sind einfach deutlich kleiner. Hier ein paar Beispiele. Bessere Reichweite in der Signalsuche bei schlechter Koppellage. Bessere Visualisierung und schnelleres Entfernungsupdate in der Grobsuche, man kann sich dadurch zügiger bewegen. Höhere Genaugkeit in der Feinsuche, vor allem was Tiefenverschüttung angeht. Und weniger Einfluß elektronischer Störquellen auf die Suche. Wie im ersten Punkt erwähnt kann ein sehr gutes Verständnis des Geräts und regelmäßiges Üben diese Schwächen ausgleichen, ihr werdet mit einem neuen Gerät dann aber trotzdem noch besser performen.

  • Usability muss Simple and Stupid sein. Sämtliche Extrafeatures außerhalb der Hauptfunktionen braucht kein Mensch. Das LVS Gerät muss nur zwei Dinge können, und diese möglichst gut. Senden und Suchen. Ok, eine Gruppencheck und Markierfunktion wollen wir schon auch, aber dann ist Schluss. Niemand braucht einen Neigungsmesser am LVS. Das Gerät muss selbsterklärend sein im Handling, sonst macht man im Stress Fehler. Tasten durch Sensoren ersetzen, oder Tasten mit Doppelfunktionen belegen sind im Ernstfall unnötige Fehlerquellen. Die Gerätebedienung muss ins Unterbewusstsein.

  • Die Sprachsteuerung ist nur für Leute die mit dem Gerät nie üben. Jeder der umgehen kann mit seinem Gerät wird durch die sprachlichen Ansagen eher aus dem Konzept gebracht anstatt, dass es ihm Hilft.

  • Interferenzen von elektronischen Geräten sind real und vor allem beim Suchen extrem relevant. JEDES LVS Gerät wird durch Geräte wie Handys, Smartwatches, Akkus usw. gestört. Und man kann soweit gehen zu sagen, dass die Geräte durch die Störung nahezu unbrauchbar werden. LVS mit Interference Protection Systemen können besser mit Störquellen umgehen, aber diese ebenfalls nicht eliminieren. Deswegen besonders in der Signalsuche aufpassen, das das Handy weit genug (50cm) weg ist und sich auf der Suchhand keine Smartwatches oder Heizhandschuhe befinden. Moderne Geräte zeigen die Störung am Display mit kleinen Symbolen an.

Unsere Favoriten

Guides Choice: Pieps Pro IPS

Der Hersteller sagt: Die PIEPS IPS-Technologie hebt LVS-Geräte auf ein neues Niveau: Das PRO IPS bietet maximale Reichweite und Signalpräzision, selbst unter schwierigsten Bedingungen – entwickelt für Profis und Guides, die volle Kontrolle brauchen. Und wir können hier uneingeschränkt zustimmen. Es ist das Gerät welches wir als Guides aktuell verwenden. Es ist in allen Bereichen vorne dabei, und die Bedienung unter Stress ist sehr intuitiv und auch mit Handschuhen sehr gut möglich. Antenne ausklappen und fertig. Kleiner Nachteil könnte die schwer zu drückende Taste für die Groupcheck Funktion sein. Hier hat man aber keinen Stress. Mit diesem Gerät macht ihr also alles richtig. Liegt es über eurem Budget folgen nun noch günstigere Alternativen mit Abstrichen.

Pieps Mini IPS oder Arva Evo BT

Das Pieps MINI IPS richtet sich an Anfänger und all jene, die ein einfaches, robustes und verlässliches Gerät schätzen. Trotz etwas geringerer Reichweite überzeugt es durch sichere Signalführung, Interferenzschutz und ein Preis-Leistungs-Verhältnis, das unschlagbar ist. Geringfügig teurer, mit leicht besserer Reichweite und sonst ähnlicher Performance ist das Arva EVO BT ebenfalls eine Empfehlung wert. Während wir den Vorgänger EVO5 als eher unbrauchbar eingestuft haben ist das EVO BT nun echt ein solides Gerät in dieser Preisklasse.

Weitere Geräte die wir empfehlen, oder auch nicht.

Die Firma Mammut liefert seit Jahren sehr sehr solide Geräte ab. Und wäre da nicht das Pieps Pro IPS, wären wir höchstwahrscheinlich mit dem Mammut Barryvox S2 unterwegs. Auch der Vorgänger dieses Geräts war schon Top und ist aktuell definitiv auch einen Preistipp wert. Achtung bei der teils stärkeren Anfälligkeit auf elektronische Störeinflüsse und die etwas ‚langsamere‘ Grobsuche. Sonst aber ist wie gesagt auch das Barryvox S1 ein Top Gerät. Auch das Arva Neo BT Pro können wir uneingeschränkt empfehlen.

Die Finger lassen würden wir von den Ortovox Geräten, primär wegen der einfach zu geringen Reichweite und von den BCA Geräten. Es bringt einfach nichts diese zu kaufen wenn der Markt deutlich bessere Optionen bietet. An dieser Stelle sei festgehalten, das Ortovox und BCA beide sehr coole Schaufeln und Sonden haben. Nur beim LVS Gerät hakt es etwas. Ortovox bietet außerdem aktuell die besten Lawinenbooklets in denen die wichtigsten Lawineninhalte sehr gut zusammengefasst sind.

Ihr überlegt euer altes Gerät auszutauschen? Hier ein aktueller Artikel zu diesem Thema. Geräte aus der Praxis welche wir an eurer Stelle austauschen würden sind folgende: Alles was älter als 10 Jahre ist. Alles von Ortovox und BCA, die Neo Reihe von Arva (außer das neue BT), Mammut Barryvox Pulse und Element, sowie Geräte der Pieps DSP und Micro Reihe.

Worauf soll ich bei Schaufel und Sonde achten?

Der Vollständigekeit halber erwähnen wir hier noch ein paar kritische Merkmale welche Schaufel und Sonde unbedingt haben sollten. Fehlt etwas der folgenden Punkte, legen wir euch ein Upgrade nahe.

Eine Sonde braucht:

  • Mindestes 240cm Länge
  • Einen soliden Lockmechanismus zum Spannen. Das einhängen eines Knotens zählt nicht als solide
  • Eine lesbare Tiefenmarkierung auf der Sonde
  • Je größer der Durchmesser desto besser das Handling

Eine ordentliche Schaufel hat folgende Merkmale:

  • Stabiles Schaufelblatt, also kein Plastik
  • Ausziehbarer Stiehl
  • Führung und Stopps zum automatischen Einrasten beim Zusammenbau

Nahezu alle Hersteller haben hier sehr gute Produkte. Es lohnt sich im Sportladen das Material mal in die Hand zu nehmen und zu vergleichen wie es ist vom Handling und wie es in der Hand liegt. Hier nicht die Low Budget Varianten kaufen. Eine ordentliche Schaufel hat man quasi für immer.